Geistiges Eigentum und Freie Partizipation. Ein Blick auf den Januskopf der Urheberrechtsdebatte aus Commons-Perspektive.

Autoren und Leser trinken aus zwei verschiedenen Quellen, die jedoch untrennbar miteinander verbunden sind.

Aus Commons-Perspektive betrachtet ist Kultur eigentlich ein bilaterales Ressourcen-Erhaltungs-Problem. Die Gesellschaft nutzt die nicht-rivale Ressource Kultur, denn Kultur ist ein grundlegender Baustein der menschlichen Zivilisation. Kultur ist eine nicht-rivale Ressource, denn sie wird nicht weniger, indem man sie nutzt. Im Gegenteil: Ein Film ohne Zuschauer ist nichts, ein Buch ohne Leser irrelevant und ein Musikstück ohne Hörer für die Katz.

Andererseits beinhaltet die Commons-Idee den langfristigen Erhalt der Ressource. Das Publikum ist mit dafür verantwortlich, die Ressource am Leben zu erhalten. Wenn die Künstler verhungern oder aufhören zu arbeiten (z.B. um sich mit der Deckung ihrer Lebensgrundlagen zu befassen), dann klingt dies zwar romantisch, es ist aber wenig sinnvoll. Der Roman Hunger von Knut Hamsun sei trotzdem jedem zur Leküre empfohlen, auch den Autoren. Für den Erhalt der Kulturlandschaft ist Geld notwendig, denn kein Künstler kann von einer gelegentlichen Mohrrübenzuteilung leben und auch die Kulturproduktionen erfordern finanzielle Mittel.

Geld ist eine rivale Ressource, denn wenn man es ausgibt ist es weg. Wenn Schriftsteller nur noch schlechte Bücher schreiben, die Filmemacher miesen Schund drehen und die Künstler Punkt-Punkt-Komma-Strich-Gemälde malen (siehe hierzu auch das Kapitel von Friederike Habermann im neuen Commons-Buch), dann sinkt in der Bevölkerung die Bereitschaft, diese Kultur mit Geld (und somit eigene Arbeit) zu unterstützen. Auch die Ressource “Akzeptanz der Kunst” muss also von den Künstlern und Autoren sorgfältig gepflegt und nachhaltig erhalten werden. Eigentlich also eine Problematik, die sich für eine Commons-basierte Herangehensweise hervorragend eignet.

Aus Commons-Perspektive geht in der aktuellen Urheberrechtsdebatte um zwei Fragen:

1. Wieviel kann und will die Gesellschaft aufbringen (eigene Beiträge, Zeit, Geld, Aufmerksamkeit), um Kultur zu fördern und zu pflegen und wie regelt sie den Zugang der Menschen zu dieser Ressource? Betrachten wir Kultur als das Wasser des Geistes, wie es Rainer Kuhlen sehr schön formuliert hat, oder als marktwirtschaftliches Produkt?

2. Wie wollen die Urheber, also die Künstler, Autoren, Musiker, Komponisten, Blogger, Fotografen und so weiter, den Zugang zu dieser Ressource (Unterstützung der Kultur durch die Gesellschaft, Geld) regeln? Wie wollen sie diese Mittel untereinander aufteilen? Dafür sorgen, dass durch Akzeptanz in der Gesellschaft der dauerhafte Erhalt dieser Ressource gesichert wird?

Ein spannendes Thema, das derzeitig durch alle Medien schwebt. Ich sehe viele Commons-basierte Denkansätze, aber davon ein andermal.

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